Klangkosmos Indien
19.05.2015, 20:00 Uhr
Sumitra Das Goswami
Magische Stimmen der Jaitaran aus Jodhpur
Sucht man nach einer strahlenden, charaktervoll rauhen und gleichzeitig besänftigenden Stimme, dann findet man sie bei Sumitra Das Goswani. Sie kommt aus Jaitaran, einem kleinen Örtchen im Pali Distrikt in Rajasthan, dem Land der legendären Maharadjas, deren prachtvolle Paläste an die Märchen von „Tausendundeine Nacht“ erinnern.
Rajasthan (das „Land der Könige“), Kreuzpunkt großer Weltregionen und uralter Nomadenstraßen, ist auch Ursprungsland der Roma, die vor ca. 1500 Jahren aus dem heutigen Rajasthan Richtung Europa gewandert sind. Rajasthan ist reich an musikalischen und spirituellen Traditionen, die bis heute noch fast ausschließlich mündlich von Generation zu Generation weitergegeben werden – von Dichtern, Musikern, Tänzern und Fakiren. Man findet dort einmalige Verbindungen von großen Kulturen und Religionen: Roma, Hinduismus und Islam verbinden sich ausdrucksstark und in der lebendigen Volkmusik mit unzähligen Klangfarben. Bis heute existieren – trotz Global Pop und Bollywood – fast ungebrochen in jedem Dorf und in jeder Region eigene Stile und kunstfertige Nuancen, die von anerkannten, wenn auch über Rajasthan hinaus wenig bekannten Meistern gehütet werden.
In dieser einzigartigen kulturellen Landschaft spielt besonders die Stimme eine große Rolle. Sumitra Das Goswani ist eine hochgeachtete Volkssängerin. Sie trägt nicht umsonst ihren Ehrentitel „Kuckuck von Rajasthan“.
Als sie acht Jahre alt war, verstarb ihre Mutter und ihr Vater, Sajjan Das, schenkte ihr ein handgefertigtes Harmonium – der erste Schritt in die große und weite Welt der traditionellen Musik. Selbst ein vielseitiger Musiker und Tänzer, der neben Harmonium und Tabla auch das traditionelle Seiteninstrument Chautara/ Tandoora spielte, legte der Vater großen Wert darauf, Sumitra von Anfang an verschiedene Gesangstechniken und absolute Perfektion beizubringen.
Unter Anleitung ihres Vaters sang Sumitra bereits in ihrer frühen Jugend in Nachbarorten bei sogenannten Jagaras: spirituellen Andachten, während der die ganze Nacht religiöse und spirituelle Lieder gesungen werden. Sumitras Stimme entwickelte sich durch dieses „Training“ bei den Jagaras weiter und schnell wurde sie auch über die regionalen Grenzen mit ihrer gefühlvoll-zarten und dennoch anmutig-kraftvollen Stimme bekannt.
Heutzutage ist sie in ganz Rajasthan berühmt und tritt bei allen wichtigen musikalischen Ereignissen auf. 2009 nahm sie am Dharohar Projekt der Jaiput Virasat Foundation teil, in dem Musiker mit unterschiedlichem religiösen und kulturellen Hintergrund aus Großbritannien und Rajasthan zusammengearbeitet haben, um gemeinsam neue Musik zu schaffen, für die sie traditionelle und zeitgenössische Melodien, Poesie und akustische Instrumente kombinierten.
Die Magie und Intensität von Sumitra Das Goswanis Stimme wird besonders dann deutlich, wenn es sich so anfühlt, als wäre es nicht mehr sie selbst, sondern die im Lied verehrte und gepriesene Person, die singt: sei es die indische Mystikerin und Dichterin Meera Bai oder die Hindu-Göttin Radha (Göttin der Hingabe und ehebrecherische und illegitime Geliebte des Krishna).
Sumitra Das Goswani : Gesang, Harmonium
n.n. : Tabla
n.n. : Tampoora oder Sarangi