Wort trifft Musik: Ungarische Melodie
07.12.2013, 20:00 Uhr
Noch nie war Franz Schubert so weit gereist wie im Sommer 1818, als er mit der Postkutsche von Wien ins damals ungarische Zseliz an der Gran fuhr, um im Schloss des musikbegeisterten Grafen Esterhazy dessen Töchter im Klavierspiel zu unterrichten.
Nach vielerlei Enttäuschungen und Rückschlägen war er froh, Wien für einige Monate den Rücken kehren zu können. Vergeblich hatte er auf öffentliche Anerkennung seiner Arbeit als Komponist gehofft, um nicht mehr als Hilfslehrer in der Schule seines Vaters arbeiten zu müssen. Gescheitert waren auch seine Bemühungen, eine lukrative Anstellung als Musiker zu finden, die ihm ermöglicht hätte, seine Jugendliebe Therese zu heiraten. Das Engagement in Zseliz empfand er in dieser Lage wie eine Befreiung – auch wenn sie nur wenige Monate anhalten sollte.
Viele Jahre nach Schuberts Tod denkt Therese an jene Zeit zurück. Ausgelöst werden ihre Erinnerungen durch die Nachricht, dass die Comtesse Caroline Esterhazy, in die sich Schubert bei seinem zweiten Aufenthalt in Zseliz unsterblich verliebt haben soll, 1844 in Pressburg einen pensionierten Major geheiratet hat, die Ehe aber schon wenig später annulliert wurde.
Auch Therese hat nach ihrer Trennung von Schubert einen anderen geheiratet, freilich nicht aus Liebe, sondern nur um versorgt zu sein. Glücklich ist sie nichtgeworden – so wenig wie Caroline und ihr einstiger Geliebter Franz Schubert.
Rezitation: Iris Berben
Klavier: Sebastian Knauer
Text: Wolfgang Knauer